Dienstag, 20. Januar 2009

Tief im Urwald

¿Wer braucht schon Kaimane?

Limoncocha

Gerade zurueck von einer Wochenendexkursion in den "echten" Regenwald, gelegen auf nur noch 260 Metern ueber dem weit entfernten Meeresspiegel und ziemlich am Arsch der Welt. Dementsprechend rustikal war das Programm, beginnend mit einer neunstuendigen Busfahrt, gefolgt von einer Weiterfahrt mit dem Boot fuer (insgesamt, mit Bus) die weitesten 130 Kilometer, die ich jemals zurueck gelegt habe. Am Ziel angekommen gab es weder wirklich Wasser (ausser heute, senkrecht und viel) noch Strom, dafuer Affen, einen Haufen Voegel, Kaimane und Piranhas. Die ersten beiden wurden ausgiebig beobachtet, die Kaimane mit dem Boot besucht (eine irgendwie heikle Angelegenheit, zumal ich mir nicht so ganz sicher war, was von unserem Guide Fausto, oder verniedlichend Faustito, zu halten war - gut, die meisten Kaimane haben sich einfach weggeduckt, ein paar haben gar nicht reagiert, dafuer meinte einer, das Boot rammen zu muessen), letztere wurden abends geangelt. Selber leider keinen Fang gemacht, die Biester zappeln kurz an der Angel, und der Koeder ist weg, bevor man das Viech raus ziehen kann. Zur Strafe dafuer haben wir sie dann gegessen (zum Glueck waren Guide und Dorfchief dabei, die etwas mehr Erfolg hatten als wir), was mich als eigentlich nicht ueberzeugten Fischesser zwar Ueberwindung gekostet hat, aber die Fische waren verdammt lecker! Heute morgen, muss ich zu meiner Schande gestehen, bin ich waehrend eines akut aufziehenden Gewitters nicht mit auf Vogelwatchingtour per Boot(!) mitgekommen, die anderen leben zwar noch, aber ausser Regen scheine ich nichts verpasst zu haben. Waren ueberhaupt recht ueberzeugende Leute mit auf der Exkursion, so zum Beispiel einer aelterer und vielreisender Umnweltplaner aus Chemnitz, der wirklich alles kompetent zu kommentieren wusste ("Ja, das riecht eindeutig wie Dickhaeutersperma!"). Ja, soviel zu der Reise, morgen geht es zurueck zur Arbeit...

Ah, da ich gerade mal wieder vom ecuadorianischen Radio genervt bin, hier mal kurz der Standardliedtext, den man in beliebigen Variationen bringen kann, und damit locker alle Sender 24 Stunden am Tag berieseln kann:

Oh, corazon, corazon, corazon!
Oh, corazon, corazon, corazon!
(...)

Samstag, 17. Januar 2009

Sonntag, 11. Januar 2009

Kleine Korrektur

zur Conga-Ameise, auch Paraponera clavata. Da ich, wie gesagt, bisher nicht in den Genuss kam, diese Erfahrung selber zu machen, moechte ich der etwas banalen Beschreibung im letzten Eintrag doch noch folgendes Zitat aus der deutschen Ameisenwiki hinzufuegen:

"Ihr Stachel verabreicht ein starkes Gift, mit dem sie Beutetiere lähmt oder Angreifer abweist. Beim Menschen verursacht der Stich heftigste Schmerzen. Der Stich wird als der schmerzhafteste Insektenstich überhaupt bezeichnet (nach Stich-Schmerzindex Schmidt). Die Schmerzen werden oft beschrieben, als würde man bei lebendigem Leib verbrennen. Sie lassen nach etwa 24 Stunden nach - daher der deutsche Name der Art. Eine sofortige Behandlung des Stiches mit Eiswasser und nachfolgender Einnahme von Benadryl-Kapseln (Antihistamin) mildert die Schmerzen. Das Gift, Poneratoxin (ein neurotoxisches Pentacosapeptid, also ein Nervengift) hinterlässt keine bleibenden Schäden im Gewebe."

Also nix Schlimmes, man kann durchaus nachvollziehen, dass ein verrueckter Schweizer von einer Nachbarstation da schon Selbstversuche durchgefuehrt hat ("das wird irgendwie uebertrieben" ... "ja, hier und da hat's schon weh getan" ... "ne, geschlafen hab ich die Nacht nicht so gut").

Mich interessiert auch der Stich-Schmerzindex Schmidt!

Samstag, 10. Januar 2009

Dschungelpost

Es sei gegruesset, ich bin noch da, bzw. wieder da, denn ich bin gerade in Quito, gleich heute nach der Arbeit durchgestartet und nach einer ewig langen Busfahrt, die erst 3.700 Meter hoch, dann 1.800 Meter runter, dann wieder 600 Meter hoch und dann wieder 100 Meter runter ging, wieder in der sogenannten Zivilisation. Nicht, dass ich hier laenger bleiben wuerde, als dieses Wochenende.

Ja, was soll man zu der Gruenen Hoelle sagen? Zunaechst mal ist Curiquingue gar nicht so dermassen abgelegen wie erwartet, in der Tat sind die Praktikantenunterkuenfte ungefaehr vor einem Jahr in die Naehe der Bueros gezogen, so dass wir jetzt Strom haben und vor allem nicht jedes Mal von der Strasse aus fast eine Stunde quer ueber einen ungeheuerlich schmalen und rutschigen Pfad nach Hause stapfen muessen. Haengematten sind auch vorhanden, aber ich nehme zuviel vorweg. Desweiteren gibt es morgens, mittags und abends (meistens) leckeres Essen, was bei der harten koerperlichen Arbeit auch dringend von Noeten ist. Ein kleiner Haken ist das Waschen der Klamotten, das ist naemlich praktisch unmoeglich, da die Sachen in der feuchten Luft deutlich eher anfangen bestialisch zu stinken, als dass sie trocknen. Da es die Woche fast nur regnete, manchmal pro Stunde einen gefuehlten deutschen Jahresniederschlag, bin ich derzeit sehr knapp bei Waesche, aber wozu gibt es Quito! :) Es ist zu hoffen, dass wir mal mehr Sonne bekommen, denn Schweiss duftet deutlich angenehmer.

Wo wir auch schon bei den Unzulaenglichkeiten sind, die der Regenwald so bietet: Da ist zum einen die erwaehnte Feuchtigkeit, die einigen Praktikanten auch schon zum Verhaengnis geworden zu sein scheint, so sind schon diverse Klamotten und, deutlich schlimmer, einige Innenseiten von Kameraobjektiven angeschimmelt. Uebrigens, so unangenehm ist das Klima gar nicht, immerhin sind wir auch noch 400 Meter hoch, trotzdem lebt wirklich einiges in der Luft und auch sonstwo. Da gibt es zum einen Ameisen, die meisten davon sind harmlos. Etwas laestig sind die kleinen roten Feuerameisen, die permanent urinieren, waehrend sie auf einem herumkrabbeln, was ungefaehr so brennt wie eine Brennessel. Deutlich unangenehmer, wenn auch selten, sind die bis zu 2 Zentimeter langen Conga-Ameisen, deren Biss die Stelle fuer rund 12 Stunden betaeubt und rund um die Betaeubung ziemlich starke Schmerzen ausloesen soll. Vorausgesetzt natuerlich, es liegt nicht noch irgendeine Allergie vor. Meine Erfahrung beruht bisher auf Berichten. Dann waeren da Schlangen, die seeehr selten und zudem scheu sind, einige wenige im Falle eines Falles allerdings eine schnelle Evakuierung nach Tena mit Weitertransport nach Quito noetig machen. Bei den Skorpionen gilt bekanntermassen, je groesser, desto besser. Allerdings sind das recht traege Zeitgenossen, solange man nicht gerade barfuss auf sie drauf tritt. Mit einer Machete laesst sich notfalls auch schnell der Giftstachel abschneiden. Dann gibt es natuerlich Spinnen,

***ACHTUNG! - Zartbesaitete jetzt nicht weiterlesen!***

so auch Vogelspinnen, wovon wir bisher genau eine zu Gesicht bekamen, die sich jedoch gerade im Todeskampf befand und noch etwas strampelte, da sie von einer Wespe gestochen worden war, die ihre Larve in die Spinne gelegt hatte, wovon die Spinne von innen aufgefressen wurde.

***Jetzt wieder jeder weiterlesen!***

Am gegenwaertigsten sind die Zikaden (nein, das ist kein Hongkonger Gangsterkartell), eine Art von Grillen, allerdings lauter und vor allem permanenter, eine Geraeuschkulisse, die 365 Tage im Jahr, 7 Tage die Woche und 24 Stunden am Tag anhaelt. Bei jedem Wetter. In der ersten Nacht sehr laestig, in allen weiteren einschlaefernd.

Nun zu unserer Arbeit, derzeit ist nicht so viel los auf der Station, im Augenblick ist nur Robby da, ein ehemaliger Praktikant, der sich in den Urwald eingeheiratet hat, sowie Steve und Julia, zwei Mitpraktikanten. Ab naechsten Montag kommt noch meine bisher nicht kennen gelernte Zimmergenossin aus dem Urlaub. Die bisherige Arbeit bestand aus dem Pflanzen von Balsabaeumen, was einmal das glecihnamige Holz geben soll. Ziemlich schwierige Arbeit, man schafft erstmal Platz mit der Machete und verbuddelt dann die vorgefertigten Pflanztueten. Also anstrengend ist das mit der Machete, man fuchtelt eine Ewigkeit damit vor sich herum, bis mal Platz fuer einen Balsabaum da ist. Desweiteren streichen wir gerade das zukuenftige Museum der Station mit, gluecklicherweise, wasserloeslichen Farben. Ich habe auch schon eine "zugeschnittene" Aufgabe bekommen, naemlich alle Pflanzflaechen per GPS aufzunehmen und spaeter mit ArcGIS eine schoene Karte daraus zu erstellen.

So ab dem fruehen Nachmittag kann man dann in der Haengematte abhaengen und tun, was man eben gerade so machen moechte. Schlafen, Musizieren, Karten spielen, Schlafen, Schlafen, Aufs Essen Warten, Abhaengen und Schlafen.

So, man koennte noch verdammt viel berichten, zum Beispiel darueber, was schon so alles fuer seltsame, meistens aber harmlose Krankheiten aufgetreten sind (bisher nicht bei mir); was es so an Moeglichkeiten gibt, das Wochenende zu verbringen; ueber die Klauwut der Ecuadorianer (habe fast noch niemanden kennen gelernt, dem nichts abhanden gekommen ist, ich versuche da, die Ausnahme zu bleiben) und so weiter, aber das gibt's dann naechsten Wochenende. Eventuell zusammen mit ersten Fotos, auf denen hoffentlich noch keine Pilze erahnbar sind.

Ahoi!

Sonntag, 4. Januar 2009

FOTOS!!

Was gibt's zu berichten? Ich hab keine Maletas, dem Fuss ging es praktisch am naechsten Morgen wieder wie neugeboren. Vorgestern wurde dann fleissig der Aequator besucht, gestern ein Ausflug auf den groessten Markt Suedamerikas unternommen und heute der Pichincha per Seilbahn erklommen. Oben mein erster Coca-Tee, von dem man leider nicht higher wurde, als man auf 4.100 Metern (die Seilbahnstation, der Gipfel liegt 500 Meter hoeher, aber der wird beim naechsten Mal besucht ;) ) sowieso schon war. Und jetzt kommen die Fotos!

Ein maechtiger Pirat

Eingeborene Bonaires

Landschaft Bonaires

Kreuzfahrttouris ruecken an

Wir erreichen Quito

Centro Colonial

Centro Colonial

Heilige Mutter Maria!

Yeah!

Yeah!

Die erste Andenschlucht

Markt und Leute in Otavalo

Gruppenfoto an der Laguna de San Pablo

Auf dem Pichincha

Beim Coca-Tee trinken (buaergs)

Quito vom Pichincha aus

Donnerstag, 1. Januar 2009

Schon ist es passiert

Nein, mein Reisepass ist noch da und auch sonst alles, im Gegenteil, es ist etwas dazugekommen, naemlich ein professionell angelegter Fussverband. Wer in den Urwald will, laesst sich natuerlich nicht davon abschrecken, dass er gerade in ein Loch im Boden gedackelt, dabei ungemein schief auf seinem Fuss gelandet ist, und wandert weiter auf den El Panecillo, Quitos "kleinem" (laut GPS 3.020m-ueNN und rund 200m-ueQuito) Innenstadthuegel, auf dem ein Engel steht, dessen beeindruckende Groesse nur noch von seiner Kitschigkeit ueberboten wird. Zwei Stunden spaeter... AUA! Naja, mit dem Verband kann ich immerhin wieder laufen, und morgen bekomme ich sogar Maletas (=Kruecken)^^ Das klingt jetzt alles glaube ich viel schlimmer als es ist, habe bei Curiquingue schon Bescheid gesagt, dass ich im schlimmsten Fall ein paar Tage spaeter dahin fahre. Quito ist jedenfalls eine ziemlich geile Stadt und sehr viel weniger chaotisch als erwartet. Die Leute sind auch alles andere als Inder :) Man wird sich hier nicht langweilen, auf den Pichincha (4.600m) zum Beispiel kommt man ganz bequem mit der Seilbahn und der Aequator ist auch in der Naehe!

Habe gerade versucht, Fotos hochzuladen, aber es hagelt Fehlermeldungen, schoenen Gruss hierbei auch an den Zwillingscomputer an der Weichsel, das Problem scheint sich auszubreiten... Whatever, es sei einmal mehr auf spaeter vertroestet.