Es sei gegruesset, ich bin noch da, bzw. wieder da, denn ich bin gerade in Quito, gleich heute nach der Arbeit durchgestartet und nach einer ewig langen Busfahrt, die erst 3.700 Meter hoch, dann 1.800 Meter runter, dann wieder 600 Meter hoch und dann wieder 100 Meter runter ging, wieder in der sogenannten Zivilisation. Nicht, dass ich hier laenger bleiben wuerde, als dieses Wochenende.
Ja, was soll man zu der Gruenen Hoelle sagen? Zunaechst mal ist Curiquingue gar nicht so dermassen abgelegen wie erwartet, in der Tat sind die Praktikantenunterkuenfte ungefaehr vor einem Jahr in die Naehe der Bueros gezogen, so dass wir jetzt Strom haben und vor allem nicht jedes Mal von der Strasse aus fast eine Stunde quer ueber einen ungeheuerlich schmalen und rutschigen Pfad nach Hause stapfen muessen. Haengematten sind auch vorhanden, aber ich nehme zuviel vorweg. Desweiteren gibt es morgens, mittags und abends (meistens) leckeres Essen, was bei der harten koerperlichen Arbeit auch dringend von Noeten ist. Ein kleiner Haken ist das Waschen der Klamotten, das ist naemlich praktisch unmoeglich, da die Sachen in der feuchten Luft deutlich eher anfangen bestialisch zu stinken, als dass sie trocknen. Da es die Woche fast nur regnete, manchmal pro Stunde einen gefuehlten deutschen Jahresniederschlag, bin ich derzeit sehr knapp bei Waesche, aber wozu gibt es Quito! :) Es ist zu hoffen, dass wir mal mehr Sonne bekommen, denn Schweiss duftet deutlich angenehmer.
Wo wir auch schon bei den Unzulaenglichkeiten sind, die der Regenwald so bietet: Da ist zum einen die erwaehnte Feuchtigkeit, die einigen Praktikanten auch schon zum Verhaengnis geworden zu sein scheint, so sind schon diverse Klamotten und, deutlich schlimmer, einige Innenseiten von Kameraobjektiven angeschimmelt. Uebrigens, so unangenehm ist das Klima gar nicht, immerhin sind wir auch noch 400 Meter hoch, trotzdem lebt wirklich einiges in der Luft und auch sonstwo. Da gibt es zum einen Ameisen, die meisten davon sind harmlos. Etwas laestig sind die kleinen roten Feuerameisen, die permanent urinieren, waehrend sie auf einem herumkrabbeln, was ungefaehr so brennt wie eine Brennessel. Deutlich unangenehmer, wenn auch selten, sind die bis zu 2 Zentimeter langen Conga-Ameisen, deren Biss die Stelle fuer rund 12 Stunden betaeubt und rund um die Betaeubung ziemlich starke Schmerzen ausloesen soll. Vorausgesetzt natuerlich, es liegt nicht noch irgendeine Allergie vor. Meine Erfahrung beruht bisher auf Berichten. Dann waeren da Schlangen, die seeehr selten und zudem scheu sind, einige wenige im Falle eines Falles allerdings eine schnelle Evakuierung nach Tena mit Weitertransport nach Quito noetig machen. Bei den Skorpionen gilt bekanntermassen, je groesser, desto besser. Allerdings sind das recht traege Zeitgenossen, solange man nicht gerade barfuss auf sie drauf tritt. Mit einer Machete laesst sich notfalls auch schnell der Giftstachel abschneiden. Dann gibt es natuerlich Spinnen,
***ACHTUNG! - Zartbesaitete jetzt nicht weiterlesen!***
so auch Vogelspinnen, wovon wir bisher genau eine zu Gesicht bekamen, die sich jedoch gerade im Todeskampf befand und noch etwas strampelte, da sie von einer Wespe gestochen worden war, die ihre Larve in die Spinne gelegt hatte, wovon die Spinne von innen aufgefressen wurde.
***Jetzt wieder jeder weiterlesen!***
Am gegenwaertigsten sind die Zikaden (nein, das ist kein Hongkonger Gangsterkartell), eine Art von Grillen, allerdings lauter und vor allem permanenter, eine Geraeuschkulisse, die 365 Tage im Jahr, 7 Tage die Woche und 24 Stunden am Tag anhaelt. Bei jedem Wetter. In der ersten Nacht sehr laestig, in allen weiteren einschlaefernd.
Nun zu unserer Arbeit, derzeit ist nicht so viel los auf der Station, im Augenblick ist nur Robby da, ein ehemaliger Praktikant, der sich in den Urwald eingeheiratet hat, sowie Steve und Julia, zwei Mitpraktikanten. Ab naechsten Montag kommt noch meine bisher nicht kennen gelernte Zimmergenossin aus dem Urlaub. Die bisherige Arbeit bestand aus dem Pflanzen von Balsabaeumen, was einmal das glecihnamige Holz geben soll. Ziemlich schwierige Arbeit, man schafft erstmal Platz mit der Machete und verbuddelt dann die vorgefertigten Pflanztueten. Also anstrengend ist das mit der Machete, man fuchtelt eine Ewigkeit damit vor sich herum, bis mal Platz fuer einen Balsabaum da ist. Desweiteren streichen wir gerade das zukuenftige Museum der Station mit, gluecklicherweise, wasserloeslichen Farben. Ich habe auch schon eine "zugeschnittene" Aufgabe bekommen, naemlich alle Pflanzflaechen per GPS aufzunehmen und spaeter mit ArcGIS eine schoene Karte daraus zu erstellen.
So ab dem fruehen Nachmittag kann man dann in der Haengematte abhaengen und tun, was man eben gerade so machen moechte. Schlafen, Musizieren, Karten spielen, Schlafen, Schlafen, Aufs Essen Warten, Abhaengen und Schlafen.
So, man koennte noch verdammt viel berichten, zum Beispiel darueber, was schon so alles fuer seltsame, meistens aber harmlose Krankheiten aufgetreten sind (bisher nicht bei mir); was es so an Moeglichkeiten gibt, das Wochenende zu verbringen; ueber die Klauwut der Ecuadorianer (habe fast noch niemanden kennen gelernt, dem nichts abhanden gekommen ist, ich versuche da, die Ausnahme zu bleiben) und so weiter, aber das gibt's dann naechsten Wochenende. Eventuell zusammen mit ersten Fotos, auf denen hoffentlich noch keine Pilze erahnbar sind.
Ahoi!
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Sehr spannend und augenscheinlich auf den Spuren von Francisco Hernández de Córdoba
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